Fundstelle - Für Sie gelesen:

Prognose auf der Basis von AOK-Routinedaten

Zahl der Demenzerkrankten könnte sich bis 2050 verdoppeln

28.11.11 (ams). Die Prognosen in Sachen Demenz werfen Schatten auf das werbewirksame Bild von den jung gebliebenen Alten. Gegenwärtig sind in Deutschland rund 1,4 Millionen Menschen von Demenz betroffen, was 1,7 Prozent der Bevölkerung entspricht. Von 100 Frauen und Männern im Alter über 80 Jahren sind 20 erkrankt. Bis 2050 könnte sich die Zahl der Demenzkranken je nach Szenario auf bis zu drei Millionen verdoppeln. Das belegen Berechnungen für den Versorgungs-Report 2012. Grundlage sind die Leistungsdaten für alle AOK-Versicherten über 50 Jahre.

Für den Versorgungs-Report 2012 haben Anne Schulz vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Rostock sowie Prof. Gabriele Doblhammer, seit 2009 Leiterin des Nationalen Demenzregisters Deutschland am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn, berechnet, wie sich die Zahl der Demenzerkrankungen entwickeln könnte. Sie stellen zudem dar, wie viele „demenzfreie Jahre“ Menschen in Deutschland ab einem bestimmten Alter noch vor sich haben. Einige Kennzahlen: Im Alter von 60 bis 64 Jahren ist derzeit ein Prozent der Bevölkerung von Demenz betroffen. Die Krankheitshäufigkeit verdoppelt sich in Schritten von fünf bis sechs Jahren. Zwischen 75 und 79 Jahren sind es 7,5 Prozent, zwischen 85 und 89 Jahren 22,5 Prozent und ab dem 100. Lebensjahr 40 Prozent. Aktuell haben Frauen ab 80 Jahren noch eine Lebenserwartung von knapp 8,8 Jahren. Davon verbringen sie im Schnitt noch fast sieben Jahre ohne Demenz. Männer ab 80 leben durchschnittlich noch sieben Jahre und verleben davon etwa sechs Jahre demenzfrei. Männer zwischen 60 und 74 sind häufiger von Demenz betroffen als Frauen in dieser Altersgruppe. Ab 75 dreht sich das Verhältnis um.

Entwicklung der Lebenserwartung beeinflusst Prognose

Bei der Prognose, wie sich die Zahl der Demenzerkrankungen bis 2050 entwickeln wird, spielt nach Darstellung von Doblhammer und Schulz die Entwicklung der Lebenserwartung eine wesentlich Rolle: Steigt die Lebenserwartung stark an, wird mit der größeren Zahl alter Personen die Zahl der Demenzkranken auf bis zu drei Millionen steigen, was bei im gleichen Zeitraum schrumpfender Bevölkerungszahl einem Anteil von 4,2 Prozent der Deutschen entsprechen würde. Bei einer langsamer steigenden Lebenserwartung lautet die Prognose 2,3 Millionen. Eine mit 1,5 Millionen Erkrankten absolut betrachtet nur leicht über dem heutigen Stand liegende Zahl sagen die Wissenschaftlerinnen für den – nach ihrer Darstellung unrealistischen – Fall einer langsamer als erwartet steigenden Lebenserwartung der Menschen in Deutschland bei gleichzeitigen deutlichen Erfolgen bei Prävention und Vermeidung von Demenz voraus.Neben der Lebenserwartung beeinflussen der medizinische Fortschritt, die mögliche Entwicklung neuer Medikamente, Präventionsmaßnahmen und nicht zuletzt der individuelle Lebensstil der Menschen die Entwicklung. Gelinge es, den Ausbruch der Krankheit und damit die Anzahl der Neuerkrankungen in ein höheres Alter zu verschieben, so die Wissenschaftlerinnen, „würden die altersspezifischen Krankheitshäufigkeiten sinken und die Zahl gleichzeitig erkrankter Personen in einem Jahr würde abnehmen“.    (toro)