"Wegsperren oder Freiheit gewähren?"

– Der Umgang mit Demenzpatienten

Gefahr für sich selbst und andere

Das Risiko, dass von Demenz betroffene Personen aufgrund ihrer Erkrankung in gefährliche Situationen geraten können ist hinlänglich bekannt und gehört zum Krankheitsverlauf. Das Bild eines älteren Menschen, der ziellos und desorientiert auf einer stark befahrenen Straße umherirrt, kommt dabei direkt und unvermittelt vor das geistige Auge. Aber nicht nur in diesem Szenario bringt sich der Demenzkranke unmittelbar in Gefahr. Auch bei vermeintlich gefahrlosen Spaziergängen im Wald kann es passieren, dass der Demente die Orientierung verliert und entweder den Weg zurück nicht findet oder gar eine Böschung herabstürzt, weil er unbeabsichtigt auf abschüssigen Wegen unterwegs war. Genau hier liegt ein großes Problem, da vor allem im mittleren Stadium der Krankheit ein massiver Bewegungsdrang ausgeprägt wird.

Einsperren und die Folgen

Was kann man dagegen tun? Die größte Sicherheit gewährt dabei zweifellos eine Art “Sicherheitsverwahrung“, die aber faktisch einem Freiheitsentzug gleich kommt. Hierzu ist auch eine gerichtliche Einverständniserklärung erforderlich. Dieses offensichtliche Einsperren wird vom Betroffenen aber zumeist als Bestrafung oder Bedrohung erlebt. Dies kann Wut und Panik auslösen und im schlimmsten Falle zu einer rapiden Verschlechterung des Krankheitsverlaufs führen. Gerade Ängste, Unruhe und Aggression sind innere Befindlichkeiten, die allein schon krankheitsbedingt sehr ausgeprägt zu Tage treten können. Ein aktives  Wegsperren fördert diese Zustände nur und erschwert  den Umgang mit den Patienten dadurch erheblich. Somit ist dies zwar die sicherste aber auch die radikalste Methode. Von einer zufriedenstellenden Lösung für alle Beteiligten ist man damit allerdings noch weit entfernt. Kaum jemand wird seine Mutter oder Vater auf die letzten Jahre hin einer solchen Qual aussetzten wollen. Würdevolles Altern und Selbstbestimmung in möglichen Grenzen sind hier die Ziele die es zu erreichen gilt.

Freiheit gewähren mit Dementenortung

Eine sehr elegante und weniger radikale  Methode hingegen ist die Dementenortung. Sie gewährt das erforderliche Maß an Selbstbestimmung und Lebensqualität und bietet zugleich den benötigten Schutz und die Absicherung, um die Gefahr für den Demenzpatienten selbst und andere zu minimieren. Dadurch kann allen Erfordernissen bislang am besten Rechnung getragen werden.

Exemplarisch wird hier das System eines finnischen Herstellers dargestellt, welches die DeutscheSenior 2010 in Deutschland einführte und bei ihren angeschlossenen Pflegeeinrichtungen, in der Tagespflege sowie bei zuhause wohnenden Privatpersonen einsetzt. 

Kernpunkt des Systems ist die Einrichtung einer sogenannten „Sicherheits-Zone“. Eine Sicherheits-Zone ist ein vordefiniertes Gebiet um den Wohnort des Demenzpatienten herum, in dem er sich uneingeschränkt bewegen kann. Je nach Lage des Wohnortes bzw. in Abhängigkeit von der Entfernung möglicher Gefahrenquellen in der unmittelbaren Umgebung (befahrene Straße, Böschung, Abhang, etc.) kann dieser Bereich frei definiert werden. Sobald der Patient diesen Bereich verlässt, geht ein Warnsignal in der Notrufzentrale ein, die dann unvermittelt die zuständigen Personen informiert und über das Handy direkt zum Standort des Patienten lotst. Hierdurch wird ein nahezu direktes Auffinden ohne Verzögerung ermöglicht. Der GPS-Sender wird in Form einer Uhr am Handgelenk getragen. Ein besonderer Schließmechanismus des Armbandes verhindert, dass der Demente sich der Uhr entledigen kann. Die Aufladung des Geräts erfolgt am Handgelenk durch eine mobile Aufladestation. D.h. zum Aufladen muss das Gerät nicht abgelegt werden und auch im Lademodus kann sich der Patient frei bewegen und das System ist aktiv. Somit wird auch der Betreuungsaufwand auf ein Mindestmaß gesenkt.

DS Vega im Video

Fazit

Will man seinen an Demenz erkrankten Angehörigen im Alter das höchste Maß an Selbstbestimmung und Lebensqualität ermöglichen, dabei aber zugleich die Risiken, die krankheitsbedingt entstehen, auf ein Minimum reduzieren, kommt man an einem System zur Dementenortung nicht herum. Ein Wegsperren oder Einschließen ist mit dermaßen negativen Auswirkungen verbunden, dass sich im schlimmsten Fall der Krankheitszustand rapide verschlechtern kann. Insofern kann hier im eigentlichen Sinne gar nicht von einer Option gesprochen werden. Würdevolles Altern, ein Mindestmaß an Selbstbestimmung und auch die Gewissheit für die Angehörigen, eine respektvolle und menschenwürdige Behandlungsmöglichkeit ausgewählt zu haben, bei vergleichsweise geringem Betreuungsaufwand, bietet zur Zeit nur die Dementenortung.